Die Wirtschaftskrise wird zwangsläufig zu einer niedrigeren Rente von Millionen von Arbeitnehmern führen. So soll das Mannheimer Research Institute for the Economics of Aging (MEA) berechnet haben, dass die Bezüge im Durchschnitt noch einmal um acht Prozent niedriger ausfallen könnten, als noch vor der Wirtschaftskrise angenommen. Das könnte für zukünftige Rentner ein Minus von knapp 200 Euro bedeuten, abhängig von dem Zeitpunkt des Renteneintritts.
Der MEA-Rentenexperte Martin Gasche erklärt die Reduzierung der Altersbezüge mit den zu erwartenden geringen Lohnsteigerungen in den kommenden Jahren: “Die Arbeitnehmer und Beitragszahler werden wegen der Wirtschaftskrise Lohneinbußen hinnehmen müssen. Langfristig können die Einkommen bis zu acht Prozent niedriger liegen als vor der Krise erwartet. Da die Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung gekoppelt ist, werden sich auch die Renten entsprechend schlechter entwickeln.”
Aufgrund dieser Schreckensmeldung fordert die Chefin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, dass Staat und Unternehmen die zu erwartenden Renteneinbrüche durch deutliche Lohnsteigerungen in den nächsten Jahren drücken müssten: “Nach der Krise müssen die Arbeitnehmer wieder über spürbare Lohnerhöhungen am Aufschwung beteiligt werden. Dann können sich auch die Renten entsprechend gut entwickeln.”
Schon jetzt klagen immer mehr Rentner über zu geringe Altersbezüge. Oft reicht die Rente hinten und vorne nicht. Darüber beklagte sich jetzt auch die Dienstleistungsgesellschaft Ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Immer mehr Rentner seien gezwungen sich mit Minijobs oder anderen Aushilfstätigkeiten über Wasser zu halten.
Die Zahl der Rentner mit Minijobs habe in den letzten Jahren um 25 % zugenommen. Die Gewerkschaften sprechen von einer “alarmierenden Entwicklung”, die gestoppt werden müsse. Deshalb fordern Gewerkschaften erneut die schnelle Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde, der rasch auf 9 Euro angehoben werden soll.
Peter-Martin Cox, der Geschäftsführer der NGG befürchtet, dass die Zahl der Rentner, die allein von den Altersbezügen nicht mehr leben können, drastisch steigen wird: “Wer als Rentner arbeitet, der macht das in der Regel nicht aus Spaß. Es ist meistens die pure Not, die ältere Menschen dazu zwingt. Sie sind auf den Job neben der Rente angewiesen.”
In den Medien bekannt wurde jetzt die Geschichte von Oma Marianne, die sich in ihrer Not entschlossen hat, ihre alten Aktfotos zu verkaufen, weil die Rente einfach nicht zum Überleben ausreicht. Oma Marianne muss nach Abzug aller Fixkosten wie Miete, Strom, Telefon, Busticket und Medikamente mit täglich gerade mal fünf Euro auskommen. Das Geld muss für drei Mahlzeiten und die Dinge, die jeder Mensch fürs Überleben so braucht, ausreichen.
Jetzt will die früher so lebenslustige Frau ihre erotischen Fotos, die im Alter von 20 Jahren aufgenommen wurden, verkaufen: “Die Fotos hat mein damaliger Mann von mir geschossen. Das war 1954. Ich habe gehört, dass Männer im Internet Geld für solche Fotos bezahlen. Ich brauche das Geld doch so dringend!”
Mit dem Erlös will sich Oma Marianne einen neuen Sessel leisten, nachdem ihr letztes Hab und Gut bei einem Einbruch geraubt wurde.
Ein trauriges Schicksal, das wohl in Zukunft mehr und mehr Rentner ereilen könnte.